Wenn du eine Bewerbung für eine Lehrstelle schreibst, musst du einige Besonderheiten beachten. Lehrlinge verfügen in der Regel über wenig relevante Berufserfahrung, auf die sie sich beziehen können. Wie du damit umgehst, erfährst du in unserem Ratgeber.
Bewerbungsschreiben für die Lehre
Egal ob es um einen Job oder einen Ausbildungsplatz geht, jede Bewerbung benötigt ein Bewerbungsschreiben. Dieses stellt für Lehranfänger*innen jedoch häufig eine größere Hürde dar: Im Hauptteil des Bewerbungsschreibens geht es hauptsächlich darum, Kenntnisse, Fähigkeiten und Soft Skills zu beschreiben, die man im Berufsleben bereits sammeln konnte.
Lehrlinge haben in der Regel jedoch noch keine relevante Berufserfahrung. Wenn du dich für eine Lehre bewirbst, solltest du dich daher auf die Qualifikationen beziehen, die du stattdessen belegen kannst. Dazu gehören zum Beispiel:
- Schulbildung
- Schwerpunktfächer
- Noten
- Sprachkenntnisse
- Praktika (z. B. berufspraktische Tage)
- Nebenjobs
- Hobbys
- ehrenamtliche Tätigkeiten
- besondere Fähigkeiten wie IT-Kenntnisse
Beim Verfassen des Inhalts deines Anschreibens solltest du immer beachten, welche Punkte für die Lehrstelle wirklich relevant sind: Handelt es sich zum Beispiel um einen technischen Beruf, solltest du dein Praktikum bei einer IT-Firma im Anschreiben erwähnen. Deine Sprachkenntnisse sind für die Ausbildungsverantwortlichen in diesem Fall wahrscheinlich weniger wichtig: Du kannst diese im Lebenslauf benennen, musst sie im Bewerbungsschreiben jedoch nicht weiter ausführen.
Nur was einen Mehrwert für den Dienstgeber liefert, stellt auch eine Qualifikation dar – und damit du dich auch wirklich nur auf die wichtigen Dinge beziehst, solltest du das Inserat richtig lesen und verstehen. Alle übrigen Punkte solltest du im Anschreiben dagegen aussparen.
Beispiele und Muster für Anschreiben liefern dir gute Anhaltspunkte, falls dir das Formulieren Schwierigkeiten bereiten sollte. Solche Muster solltest du aber wirklich nur als Orientierungshilfe ansehen. Wenn du deine Bewerbung richtig schreiben willst, dann muss sie auch deine ganz persönliche und individuelle Bewerbung sein – und kein vorgefertigter Text, den zig andere Leute vielleicht auch benutzen.
Tipp: Der Berufswahltest von AUBI-plus hilft dir bei der Suche nach der Lehrstelle, die am besten zu dir und deinen persönlichen Fähigkeiten und Stärken passt.
Soft Skills
Selbst wenn du nur wenig handfeste Einstellungsgründe anführen kannst, ist das in der Regel kein Malheur. Konzentriere dich stattdessen auf deine Soft Skills. Dabei solltest du stets praktische Beispiele anführen und deine Kompetenzen veranschaulichen – zum Beispiel mit konkreten Situationen oder Leistungen.
Erwähnst du im Anschreiben zum Beispiel deine Belastbarkeit, untermauerst du das gegebenenfalls durch einen Teamsport. Dieses Hobby kannst du später außerdem im Lebenslauf-Abschnitt „Interessen“ erwähnen. So wirken deine Soft Skills noch anschaulicher.
Motivation
Ein weiterer zentraler Punkt des Bewerbungsschreibens für deine Lehre stellt die Motivation dar.
Allerdings gibt es auch hier eine Besonderheit, durch die sich die Bewerbung für die Lehre vom Regelfall unterscheidet. Schließlich handelt es sich nicht um eine Karrierestation wie jede andere, sondern um das Fundament deines gesamten Berufslebens. Jobs gibt es viele – die Lehre ist dagegen eine einmalige Erfahrung. Diesen Stellenwert solltest du in der Einleitung des Anschreibens durch deine Motivation klarstellen. Dabei kannst du dich an diesen Fragen orientieren:
- Warum hast du dich gerade für diesen Lehrberuf entschieden?
- Warum hast du dich für diesen Lehrbetrieb entschieden?
- Wie möchtest du deine Fähigkeiten einbringen?
Bewerbung für die Lehre: Besonderheiten im Lebenslauf
Der Lebenslauf fasst deinen bisherigen Bildungsweg, deine Praxis sowie deine Kenntnisse und Fähigkeiten so kompakt wie möglich zusammen. Er umfasst ein bis maximal zwei Seiten.
Wenn du dich für eine Lehre bewirbst, musst du jedoch eine Besonderheit beim Aufbau des Lebenslaufs beachten. Normalerweise folgt der Lebenslauf folgender Struktur:
- Persönliche Daten
- Berufserfahrung / Praxis
- Bildungsweg
- Kenntnisse und Fähigkeiten
- Hobbys
Lehrbetriebe wissen natürlich, dass du als Lehranfänger*in noch keine umfangreiche Berufserfahrung anführen kannst. Daher kannst du diesen Abschnitt einfach überspringen oder mit deinen Praktika füllen und direkt mit deinem Bildungsweg fortfahren.
Persönliche Daten
Du beginnst deinen Lebenslauf mit deinen persönlichen Daten. So können Ausbilder*innen sofort nachvollziehen, wessen Bewerbung sie gerade in den Händen halten. Diese Informationen solltest du dabei in jedem Fall anführen:
- Vor- und Nachname
- Adresse
- Mobilnummer
- E-Mail-Adresse
Laut dem Gleichbehandlungsgesetz (GlBG) musst du in deiner Bewerbung keine weiteren Daten angeben. Dein Geburtsdatum, Familienstand und die Staatsangehörigkeit dürfen zwar erwähnt werden, können dir im Zweifel aber auch schaden. Auch das Bewerbungsfoto ist keine Pflichtangabe in deinem Lebenslauf, in Österreich jedoch nach wie vor weit verbreitet.
Bildungsweg
Für den Aufbau des Lebenslaufs gilt grundsätzlich: Das Wichtigste kommt immer zuerst. Daraus ergibt sich ein sogenannter antichronologischer Aufbau. Hierbei führst du Neues zuerst an und Altes zuletzt.
Bei deiner Schulbildung handelt es sich beispielsweise um eine wichtige Kernqualifikation. Aus diesem Grund steht der Abschnitt auch an erster Stelle nach deinen persönlichen Daten. Beginne hier mit deiner aktuellsten schulischen Station (z. B. Mittelschule, AHS oder Polytechnische Schule).
Tabellarische Lebensläufe bestehen grundsätzlich aus zwei Spalten. Auf der linken Seite steht der Zeitraum des jeweiligen Abschnitts, rechts stehen Angaben zum Ort und andere Details:
Je deutlicher sich ein Bezug zu deiner Lehrstelle herstellen lässt, desto ausführlicher dürfen deine Angaben ausfallen. Möchtest du zum Beispiel eine Lehre in der Labortechnik antreten? Dann könnte dein Abschnitt zur Matura zum Beispiel auf passende Schwerpunktfächer eingehen:
Fortbildungen und Praktika
Dieser Abschnitt befasst sich nicht nur mit Praktika (wie den berufspraktischen Tagen) und Weiterbildungen, sondern auch mit ersten Arbeitserfahrungen oder Nebentätigkeiten. Hier kommt grundsätzlich alles mit Bezug zur Lehrstelle infrage. Die Nachweise dieser Erfahrungen solltest du als Beilagen deiner Bewerbung beifügen.
Ein Schüleraustausch in die USA kann zum Beispiel durchaus als Beleg für deine Englischkenntnisse dienen. Später in deiner Karriere solltest du diese Abschnitte allerdings durch handfeste Qualifikationen ersetzen.
Kenntnisse
In diesem Abschnitt kannst du auf Kenntnisse eingehen, die für den angestrebten Beruf relevant sind: zum Beispiel deine Fremdsprachenkenntnisse oder Erfahrung mit bestimmten Programmen. Sei hier so spezifisch wie möglich und beschreibe deinen Kenntnisstand oder die Projekte, die du bearbeitet hast:
In bestimmten Fällen kann es sein, dass du einen Führerschein für die Lehre benötigst. Dann solltest du ihn natürlich unbedingt im Lebenslauf angeben.
Interessen
Auch deine Interessen und Hobbys haben einen Platz im Lebenslauf, solange sie die richtige Botschaft vermitteln. Teamsportarten beweisen zum Beispiel, dass du fit und teamfähig bist. Ungeeignet sind dagegen Tätigkeiten, die
- passiv sind (z. B. Fernsehen)
- Eigenschaften vermitteln, die sich negativ auf den Arbeitsplatz auswirken können (z. B. hohes Verletzungsrisiko bei Extremsportarten)
- nicht aussagekräftig sind (z. B. "etwas mit Freunden unternehmen")
Tipp: Falls sich keines deiner Hobbys für den Abschnitt eignet, hilft meist eine positivere Formulierung. Du interessierst dich für Filme oder Musik? In diesem Fall könntest du eine aktive Beschreibung wie Musik- oder Filmrecherche wählen.
Unterschrift
Da das Anschreiben nach der Grußformel ohnehin mit deinem Namen endet, solltest du deine Signatur hier platzieren, statt deinen Namen einfach nur abzutippen. Am besten eignet sich dafür eine blaue Füllfeder, die die Signatur vom restlichen Text abhebt. Datum und Ort gehören ebenfalls dazu und befinden sich links vor deiner Unterschrift. Allerdings können sie im Gegensatz zur Signatur mit einem Schreibprogramm erstellt werden.
Falls du deine Bewerbung für die Lehrstelle per E-Mail verschickst, hast du zwei Optionen:
- das Dokument ausdrucken, unterschreiben und erneut einscannen
- deine Unterschrift einscannen und an der gewünschten Stelle platzieren
Um dir diese Arbeit zu ersparen, haben wir einen Unterschriften-Generator in unseren Editor eingebunden. Hier kannst du deine Unterschrift einfach direkt online generieren – probiere es doch einfach mal aus.

Schreibe deine Bewerbung einfach online.
Jetzt starten!Mit Lücken richtig umgehen
Als Lücken im Lebenslauf gelten Zeiträume ohne Beschäftigung oder Ausbildung, die länger als drei Monate dauern. Sie zu verschleiern, ist nicht nur enorm schwierig, sondern auch riskant. Zum Karrierebeginn sehen Personalverantwortliche solche Lücken aber meist nicht so eng – der Berufseinstieg dauert grundsätzlich etwas länger. Solltest du also nach deinem Schulabschluss eine etwas längere Orientierungsphase benötigt haben, ist das in der Regel unproblematisch. Trotzdem kann es helfen, bereits zu Beginn der Karriere darauf zu achten, größere Lücken gar nicht erst entstehen zu lassen. Am besten füllst du diese Zeiträume mit sinnvollen Tätigkeiten wie Nebenjobs oder Praktika.
Bewerbung für die Lehre: Tipps zur Korrektur
Nachdem du deine Bewerbung für die Lehrstelle verfasst hast, geht es an die Korrektur. Dabei solltest du vor allem auf diese Fehlerquellen achten:
- Rechtschreibung und Grammatik sowie Zahlendreher
- fehlende oder inkorrekte Kontaktdaten
- Überlänge und unnötige Informationen
- schwammige oder unkonkrete Formulierungen
- formale Unregelmäßigkeiten (z. B. verschiedene Schriftarten oder unregelmäßige Zeilenabstände)
Vier Augen sehen mehr als zwei. Lasse deine Bewerbung für die Lehrstelle daher immer von einer zweiten Person gegenlesen. Diese Sorgfalt solltest du nicht nur bei klassischen Bewerbungen in Papierform walten lassen. Auch deine Online-Bewerbungen solltest du noch einmal genau unter die Lupe nehmen. Da diese oftmals nach ein paar wenigen Mausklicks abgeschickt werden können, ist das Risiko für Flüchtigkeitsfehler häufig sogar noch höher.