Es gibt zahlreiche Gründe für einen Jobwechsel – doch eine Kündigung sollte wohlüberlegt sein. Auf Nummer sicher gehst du, wenn du nach einer neuen Stelle suchst, bevor du dein altes Dienstverhältnis verlässt. So eine Bewerbung aus der aufrechten Beschäftigung kann jedoch auch einige Risiken mit sich bringen. In unserem Ratgeber erfährst du, wie du Diskretion bewahrst.
Gründe für einen Jobwechsel
Die Gründe, sich nach einem neuen Job umzuschauen, sind vielfältig und individuell. Am Ende ist deine persönliche Arbeitszufriedenheit der entscheidende Auslöser. Häufige Gründe für einen Jobwechsel sind:
- zu geringes Gehalt
- fehlende Aufstiegschancen
- schlechtes Arbeitsklima
- unerfülltes Arbeitsleben
- Unter- oder Überforderung
- persönliche Gründe, wie ein Umzug, Gesundheit oder der Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance
Bevor du damit beginnst, dich zu bewerben, solltest du zunächst das Gespräch mit deiner vorgesetzten Person suchen. Vielleicht kannst du doch eine Gehaltserhöhung verhandeln, die Abteilung wechseln oder an einem anderen Standort arbeiten.
Bewerbung aus der Festanstellung: Vorteile
Wenn du kündigst, bevor du einen neuen Job gefunden hast, stehst du schnell unter Stress. Denn du musst entweder rechtzeitig eine neue Stelle finden oder dich beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos melden. Da das Arbeitslosengeld deutlich geringer als dein bisheriger Bezug ausfällt, könntest du Probleme mit dem Bezahlen deiner Fixkosten bekommen. Außerdem musst du bei einer Selbstkündigung mit einer vierwöchigen Sperrfrist rechnen, in der du kein Arbeitslosengeld erhältst.
Natürlich kann es auch bei einer Bewerbung aus der Festanstellung vorkommen, dass du unter Zeitdruck stehst – zum Beispiel, weil ein Umzug bevorsteht oder sich deine Lebensumstände auf andere Weise ändern.
Bewerbung aus der Festanstellung: Risiken
Es besteht jedoch auch ein gewisses Risiko, wenn du dich aus einem aufrechten Dienstverhältnis bewirbst. Denn bekommt die Chefetage mit, dass du auf Jobsuche bist, könnte dies unangenehme Folgen haben.
Rein rechtlich gesehen hast du laut Art. 18 des Staatsgrundgesetzes (StGG) zwar die Freiheit der Berufswahl. Sollte dein Dienstgeber also herausfinden, dass du dich bei anderen Unternehmen bewirbst, darf er dir deswegen nicht rechtswirksam kündigen. Allerdings ist es sehr wahrscheinlich, dass dies das Vertrauensverhältnis zwischen dir und deinem Dienstgeber beschädigt.
Steht für dich bereits fest, dass du den Dienstgeber auf jeden Fall wechseln möchtest, kannst du dieses Risiko in Kauf nehmen. Anders sieht es jedoch aus, wenn du nur deine Optionen abwägen wolltest.
Dein Dienstgeber kann allerdings rechtliche Schritte ergreifen, wenn er feststellt, dass du dich während der Arbeitszeit um einen neuen Job bemühst. Benutzt du zum Beispiel deinen Arbeitslaptop, um eine Bewerbung zu schreiben, kann dein Dienstgeber eine Verwarnung aussprechen. Genauso sieht es aus, wenn du dich krankmeldest, nur um in Wahrheit zu einem Vorstellungsgespräch zu gehen. Auch solltest du deine Arbeit nicht schleifen lassen, nur weil du ohnehin kündigen willst.
Wir verraten dir, wie du bei deiner Bewerbung aus der Festanstellung diskret vorgehst.
Tipps: So wahrst du Diskretion
Je weniger Personen von deiner Bewerbung wissen, umso besser. Aus diesem Grund solltest du deinen Jobwechsel auf keinen Fall vorab ankündigen – weder bei der Führungsebene noch bei deinen Kolleginnen und Kollegen. Denn auch bei einer freundschaftlichen Beziehung am Arbeitsplatz können Informationen durchsickern, die dir letztendlich einen Nachteil verschaffen. Möchtest du dich also mit jemandem über deine Bewerbung aus der Festanstellung unterhalten, sollte es sich um Personen außerhalb deines Arbeitsnetzwerks handeln.
Organisiere den Jobwechsel nicht in deiner Arbeitsumgebung
Deine Bewerbungsbemühungen solltest du strikt von deinem derzeitigen Job trennen – denn genau hier können auch rechtliche Folgen drohen.
- Verfasse deine Bewerbung nicht während der Arbeitszeit.
- Benutze keine Geräte, wie einen Laptop oder ein Mobiltelefon, die dir von deinem Dienstgeber zur Verfügung gestellt wurden.
- Versende deine Bewerbung nicht über deine berufliche E-Mail-Adresse.
- Führe während der Arbeitszeit keine Telefonate oder gar Video-Interviews mit einem potenziellen Dienstgeber. Wenn du in deiner Pause ein solches Gespräch führen möchtest, stelle sicher, dass du einen ungestörten Ort aufsuchst. Am besten außerhalb deines Arbeitsplatzes.
- Melde dich nicht krank, um zu einem Bewerbungsgespräch zu gehen. Nimm dir lieber einen Urlaubstag.
- Hast du direkt nach der Arbeit ein Vorstellungsgespräch, solltest du Zeit zum Umziehen einplanen. Merkt die Kollegenschaft oder der Dienstgeber, dass du anders und professioneller gekleidet bist als sonst, könnte dies Verdacht wecken.
- Halte dich auch in sozialen Medien bedeckt: Poste also nicht, dass du gerade auf Jobsuche bist. Ändere auch deinen Beschäftigungsstatus bei Job-Netzwerken wie XING oder LinkedIn vorerst lieber nicht. Wenn du über diese Portale einen neuen Job suchst, stelle sicher, dass du nicht mit Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen oder gar der Chefetage vernetzt bist. Deaktiviere notfalls die Funktion, die deine Kontakte über Profil-Updates informiert. Es kann jedoch auch sein, dass dein Dienstgeber selbst auf diesen Plattformen nach neuen Arbeitskräften sucht und so von deiner Jobsuche erfährt. Hier solltest du also besonders vorsichtig sein und im Zweifel lieber nicht von diesen sozialen Netzwerken Gebrauch machen.
Bewerbung aus der Festanstellung: Tipps für das Anschreiben
Wenn du ein Anschreiben für deine Bewerbung aus der Festanstellung schreibst, musst du auf einige Besonderheiten achten. Mit folgenden Tipps wahrst du Diskretion und gehst sicher, dass deine Bewerbung reibungslos abläuft.
Bewerbung aus der Festanstellung: Sperrvermerk in der Bewerbung
Viele Bewerbende befürchten, dass sich der potenzielle neue Dienstgeber Informationen beim alten Betrieb einholt. Das ist rechtlich jedoch nicht zulässig. Weder dein aktueller noch dein zukünftiger Dienstgeber darf ohne deine ausdrückliche Zustimmung personenbezogene Daten über dich weitergeben.
Dabei handelt es sich um einen Hinweis, dass dein potenzieller neuer Dienstgeber deine Bewerbung vertraulich behandeln soll – damit niemand in deinem Arbeitsumfeld von deiner Bewerbung aus der Festanstellung erfährt.
Du hast drei Möglichkeiten, diesen Sperrvermerk in deiner Bewerbung zu platzieren:
- In der Betreffzeile deines Anschreibens.
- Im Schlusssatz deines Anschreibens.
- In der Betreffzeile deiner Bewerbungsmail.
Das Anschreiben ist immer das erste Dokument deiner Bewerbung und die Betreffzeile ist häufig gefettet. Wenn du den Sperrvermerk an dieser Stelle platzierst, ist auf den ersten Blick klar erkennbar, dass es sich um eine vertrauliche Bewerbung handelt. Genau aus diesem Grund kannst du den Sperrvermerk auch direkt in der Betreffzeile deiner Online-Bewerbung platzieren. Mögliche Formulierungen für den Sperrvermerk für deine Bewerbung aus der Festanstellung sind:
„Bitte vertraulich behandeln: Bewerbung auf die Stelle als Einzelhandelskaufkraft.“
„Vertraulich: Bewerbung als Einzelhandelskaufmann*-frau.“
„Vertrauliche Bewerbung als Einzelhandelskaufkraft.“
Im Schlusssatz deines Anschreibens ist der Sperrvermerk nicht ganz so prominent platziert. Hier hast du jedoch die Möglichkeit, deine Situation etwas ausführlicher zu beschreiben. Wenn du Sorge hast, dass der Sperrvermerk in deiner Bewerbung aus der Festanstellung übersehen wird, solltest du diesen in deinem Anschreiben fetten.
„Da ich mich derzeit noch in einem ungekündigten Dienstverhältnis befinde, bitte ich Sie, meine Bewerbung vertraulich zu behandeln.“
„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich meinen derzeitigen Dienstgeber noch nicht über meine Bewerbung informiert habe. Deshalb bitte ich Sie darum, meine Unterlagen vertraulich zu behandeln.“
„Ich bitte Sie darum, meine Bewerbung vertraulich zu behandeln.“
Bewerbung aus der Festanstellung: aktuellen Dienstgeber nicht nennen
Befürchtest du trotz Sperrvermerk, dass dein aktueller Dienstgeber von deiner Bewerbung aus der Festanstellung erfährt, kannst du deine Angaben anonymisieren. Dabei erwähnst du deinen derzeitigen Dienstgeber nicht namentlich, sondern umschreibst das Unternehmen. Beschreibe den Dienstgeber zum Beispiel wie folgt:
„Ich arbeite derzeit für ein mittelständisches IT-Unternehmen.“
„Bei meinem aktuellen Dienstgeber handelt es sich um ein angesehenes IT-Unternehmen in der Region.“
„Ich bitte um Verständnis, dass ich meinen aktuellen Dienstgeber aus vertraulichen Gründen nicht namentlich nenne.“
Dieses Vorgehen kann jedoch auch zu einem Nachteil in deiner Bewerbung werden – besonders, wenn du bei einem angesehenen Dienstgeber arbeitest, dessen Name sich gut in deinem Lebenslauf machen würde. Wenn du dich für diese Herangehensweise entscheidest, solltest du darauf hinweisen, dass du den Namen deines Dienstgebers im Vorstellungsgespräch preisgibst.
Jobwechsel im Anschreiben begründen
Wenn du den Grund für deinen Jobwechsel gut formulierst, kann das bei deiner Bewerbung aus der Festanstellung ein Vorteil sein. Eine gute Begründung verrät, dass
- du deine Entscheidung gut durchdacht hast.
- du genau weißt, welche Erwartungen du an die neue Stelle hast.
- du weißt, wie du dir deine berufliche Zukunft vorstellst.
Um diese Vorteile auszunutzen, musst du den Grund für deinen Jobwechsel vorteilhaft präsentieren. Beschreibe daher, was dich zu der neuen Stelle hinzieht und nicht, was dich von deinem derzeitigen Job wegtreibt.
Ist deine Bewerbung aus der Festanstellung ein Resultat von Überforderung, Langeweile oder Unstimmigkeiten am Arbeitsplatz, solltest du dies weder im Inhalt deines Anschreibens noch im Vorstellungsgespräch erwähnen. Sich negativ über das bisherige Unternehmen zu äußern, wirft kein gutes Licht auf dich.
Wir haben für dich einige Beispielformulierungen gesammelt:
„Mein derzeitiges Dienstverhältnis lässt sich leider nicht mehr mit meiner privaten Situation vereinbaren. Aus diesem Grund suche ich nach einer neuen Stelle.“
„Nach einigen Jahren bei meinem derzeitigen Dienstgeber bin ich nun auf der Suche nach einer neuen beruflichen Perspektive. Ich bin davon überzeugt, dass ich in Ihrem Unternehmen neue Erfahrungen sammeln kann.“
„Meine Aufstiegsmöglichkeiten sind bei meinem aktuellen Dienstgeber begrenzt. Daher möchte ich mich beruflich umorientieren.“
Erreichbarkeit angeben
Wenn du deine Bewerbung aus der Festanstellung verheimlichen möchtest, solltest du im Anschreiben deine Erreichbarkeit angeben. Wenn du einen Vollzeitjob hast und nicht im Homeoffice sitzt, bist du wahrscheinlich nur vor oder nach der Arbeit telefonisch zu erreichen. Informiere den potenziellen Dienstgeber also über alle Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme.
„Sie erreichen mich jederzeit per E-Mail und telefonisch ab 17 Uhr.“
„Ich bitte Sie, meine Arbeitszeiten zu berücksichtigen. Unter der Woche bin ich zwischen 7 und 9 Uhr sowie ab 18 Uhr telefonisch erreichbar.“
Achte auch darauf, dass du deine privaten Kontaktdaten angibst und nicht etwa die Nummer deines Diensthandys oder deine berufliche E-Mail-Adresse.
Beginn des neuen Arbeitsverhältnisses
In deinem Anschreiben solltest du immer angeben, ab wann du verfügbar bist. Bei einer Bewerbung aus der Festanstellung musst du in jedem Fall die Kündigungsfristen deines aktuellen Dienstgebers berücksichtigen.
In deinem Anschreiben solltest du also ein konkretes Datum nennen, zu dem du frühestens kündigen kannst.
„Angesichts meiner Kündigungsfrist von einem Monat stehe ich Ihnen ab dem TT.MM.JJJJ zur Verfügung.“
„Mein frühestmöglicher Eintrittstermin ist der TT.MM.JJJJ.“
„Ab dem TT.MM.JJJJ stehe ich Ihnen zur Verfügung.“
Bewerbung aus der Festanstellung: Vorlagen
Doch nicht nur der Inhalt ist wichtig, wenn du deine Bewerbung aus der Festanstellung schreibst – auch das richtige Design spielt eine Rolle. Dein Anschreiben, Deckblatt und Lebenslauf sollten einheitlich und professionell gestaltet sein. Wenn du Probleme damit hast, deine Bewerbung in einem der gängigen Textbearbeitungsprogramme zu erstellen, wirf doch mal einen Blick auf unsere Vorlagen.

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Jetzt starten!Bewerbung aus der Festanstellung: Dienstzeugnis
Zu einer vollständigen Bewerbung gehört eigentlich ein Dienstzeugnis von deinem aktuellen Dienstgeber. Es dient als Nachweis deiner Beschäftigung und gibt einen ersten Eindruck von deinen Aufgaben, Fähigkeiten und deiner Arbeitsmoral.
Bewirbst du dich jedoch aus einer Festanstellung, kannst du noch kein Dienstzeugnis nachweisen – es sei denn, du fragst nach einem Zwischenzeugnis. Dies kann jedoch bei deinem aktuellen Dienstgeber schnell den Verdacht wecken, dass du den Job wechseln möchtest. Wenn du unauffällig nach einem Zwischenzeugnis fragen möchtest, kannst du dies zum Beispiel im Rahmen einer allgemeinen Leistungsbeurteilung tun.
Was tun, wenn die Bewerbung aus der Festanstellung doch auffliegt?
Hast du all diese Ratschläge zur Diskretion bei deiner Bewerbung aus der Festanstellung befolgt und bist dennoch aufgeflogen, hilft nur Ehrlichkeit. Bleibe selbstbewusst und suche das Gespräch mit deiner vorgesetzten Person. Erkläre, warum du mit deiner aktuellen Situation unzufrieden bist. Mache dabei deutlich, dass du dich bei deiner Bewerbung nicht gegen das alte Unternehmen, sondern für das neue Unternehmen entschieden hast. Verrate, dass du auf der Suche nach neuen Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten bist oder dass du dir einen kürzeren Arbeitsweg wünschst.
Bewerbung aus der Festanstellung: wann kündigen?
Das Vorstellungsgespräch war erfolgreich und du hast ein Jobangebot auf dem Tisch. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt, um zu kündigen? Bei einer Bewerbung aus der Festanstellung hast du den Vorteil, dass du deine Kündigung so planen kannst, dass die beiden Jobs nahtlos ineinander übergehen.
Du solltest also erst kündigen, wenn du den neuen Dienstvertrag unterschrieben hast.
Dein Kündigungsschreiben musst du immer schriftlich verfassen und eigenhändig unterschreiben. Du kannst es nicht per E-Mail verschicken oder mündlich verkünden. Folgende Informationen muss deine Kündigung enthalten:
- Name und Anschrift beider Vertragspartner
- den genauen Kündigungszeitpunkt
- die Bitte um eine schriftliche Kündigungsbestätigung
- die Bitte nach einem qualifizierten Dienstzeugnis
- eine handschriftliche Unterschrift
Du bist nicht dazu verpflichtet, einen Grund für deine Kündigung anzugeben.
Kündigungsschreiben: Beispiel
Wir haben für dich eine Beispielkündigung vorbereitet. Achte darauf, alle deine Daten korrekt anzugeben.
[Empfänger*in]
[Absender*in]
[Datum]
Kündigung des Dienstverhältnisses
Sehr geehrte Frau / Sehr geehrter Herr [Vorname Nachname],
hiermit kündige ich meinen Dienstvertrag vom TT.MM.JJJJ ordentlich und fristgerecht zum TT.MM.JJJJ.
Bitte bestätigen Sie mir schriftlich den Erhalt dieser Kündigung.
Ich bitte Sie außerdem, mir ein qualifiziertes Dienstzeugnis auszustellen.
Mit freundlichen Grüßen
[Vorname Nachname]
[Unterschrift]
Wenn du ein gutes Verhältnis mit deinem aktuellen Dienstgeber hast, kannst du dich für die Zusammenarbeit bedanken.